„Sie hat ihr Pferd eingetauscht – Wie kann sie nur?“ – Ein Statement.

 

Genau solche Sätze fallen in der letzten Zeit öfter. Ob direkt ins Gesicht oder hinter meinem Rücken – diese Aussagen kommen durchaus bei mir an. Und sie verletzen mich.

Vorab: Nein! Ich habe keins meiner Pferde verkauft und habe das definitiv auch nicht vor.

Wie im vorherigen Blogbeitrag erklärt, hatte ich nach meinem Abitur ursprünglich geplant zu studieren. Ich stand damals vor der Entscheidung: Was mache ich mit Donna? Ein Verkauf kam nicht in Frage. Dafür gab es ganz einfach zwei Gründe:

  1.  Donna ist nicht gerade unkompliziert und ich wüsste nicht wo sie letztendlich endet. Ich habe trotz aller Probleme eine Verantwortung für dieses Tier. Dieser bin ich mir bewusst.
  2.  Ich liebe dieses Pferd über alles. Sie war immer für mich da und ich wurde mit ihr erwachsen. Wir hatten ab und an unsere Schwierigkeiten aber genauso hatten wir auch wunderschöne Momente.

Verkaufen war also keine Option. Was sonst? Mitnehmen und in einen klassischen Reitstall stellen? Das wollte ich mir und ihr nicht antun. Denn Donna ist kein Pferd das mal einen Tag entspannt frei hat und am nächsten Tag wie gewohnt gearbeitet werden kann. Sie will und muss durchweg gefordert werden was wirklich zeitintensiv und stressig sein kann. Ich wusste nicht was mit dem Studium auf mich zu kommt, deshalb wollte ich mir den Druck nehmen jeden Tag in den Stall rennen zu müssen weil sonst die Box zerstört wird. Außerdem bin ich jedes Wochenende wieder nach Hause gefahren – wer kümmert sich dann um Sie?

Also suchte ich einen Mittelweg und kam ganz schnell zu Familie Reitz. Die Familie wohnt im Hunsrück – gemeinsam mit einigen Pferden. Die Tiere stehen direkt am Haus auf unendlich großen Weiden – und werden ständig umsorgt und betreut. Sprich: Wurmkur, Impfung und Hufschmied sind dort im „Rundum-Sorglos Paket“ enthalten. Dort steht Donna nun gemeinsam mit anderen Pferden und fühlt sich pudelwohl.

Wie nun mittlerweile bekannt habe ich ja nun aber mein Studium abgebrochen. Aber was sollte ich dann tun? Donna einfach wieder zurück holen? Kam vorerst nicht in Frage da ich nicht wusste was als nächstes auf mich zukommt. Es hätte durchaus sein können, dass ich eine Ausbildung in Mannheim oder ganz woanders anfange. Dann wären wir wieder bei null gewesen.

Jetzt bin ich durch hundert Zufälle wieder in der Heimat. Und Donna steht immernoch dort. Aber warum? Ich war damals mit 12 (!) Jahren schlichtweg überfordert mit einem 4-jährigen Pferd. Dazu kommt dass die Dame sehr schlau ist. So haben sich bei uns über die Jahre viele Fehler im Umgang eingeschlichen, die uns das Zusammenleben wirklich schwierig machen. Ich gebe hier auf keinen Fall meinem Pferd die Schuld.

Es folgte also ein langer innerer Kampf geprägt von: Soll ich Sie wieder hier her stellen oder nicht? Will ich das? Will mein Pferd das? Ich war mir sicher, stelle ich Donna zurück in den Stall verfallen wir wieder in das selbe Muster.

Der Knackpunkt war als ich sah wie Donna dort mit entspanntem Kopf auf der Koppel stand und am langen Strick die Hufe gemacht bekam. SO habe ich mein Pferd vorher niemals gesehen.

Fest stand also: Donna bleibt vorerst dort und genießt ihr entspanntes Leben und ich reite trotzdem wieder.

Natürlich ist die aktuelle Situation nicht unbedingt optimal. Ich würde die kleine Maus so gerne öfter sehen, aber die Distanz lässt das einfach nicht zu. Das tut wohl keinem so weh wie mir. Letztendlich muss aber jeder Pferdebesitzer wissen was für ihn und sein Pferd am besten ist. Und solange ich für Donna keinen Platz gefunden habe, bei dem sie keine Abstriche machen muss und der nah bei mir ist – bleibt sie dort. Dies ist eine Entscheidung die mir oft nicht leicht fällt, aber die beste für mein Pferd ist. Vielleicht sollten wir anfangen bei solch sensiblen Themen erst richtig nachzudenken und erst dann zu urteilen. Ich schreibe auch niemandem vor wie er mit seinem Kind umzugehen hat.

Und jeder der jetzt immernoch meint über mich schlecht urteilen und reden zu müssen darf sich gerne persönlich bei mir melden. 

3 Antworten auf “„Sie hat ihr Pferd eingetauscht – Wie kann sie nur?“ – Ein Statement.”

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